Eine meiner liebsten Studienfreundinnen und ich hatten sehr unterschiedliche Vorstellungen von Pünktlichkeit. Ich war diejenige, die zur vereinbarten Zeit da war. Sie war diejenige, von der ich eigentlich schon wusste, dass sie später kommen würde. Und trotzdem stand ich wieder irgendwo und wartete.
Als ich Trainerin wurde, war mein Blick zunächst ziemlich klassisch: Ich wollte Menschen zeigen, wie sie ihr Zeitmanagement verbessern können. Wie sie strukturierter planen, ihre Zeit besser nutzen und vermeintlich ungünstige Gewohnheiten verändern.
Doch ziemlich schnell hat sich für mich die viel spannendere Frage gestellt: Warum eigentlich verändern? Warum gehen Menschen so unterschiedlich mit ihrer Zeit um? Was steckt dahinter? Und was, wenn eine andere Herangehensweise nicht einfach schlechter ist, sondern auch eigene Stärken mit sich bringt?
Aus dieser Frage wurde Forschung. In meiner Promotion habe ich mich mit individuellen Unterschieden im Zeitmanagement beschäftigt. Heute verbinde ich diese wissenschaftliche Perspektive mit meiner Arbeit als Trainerin und Coachin: nicht mit dem Anspruch, Menschen in eine bestimmte Art des Zeitmanagements zu bringen, sondern ihnen dabei zu helfen, ihren eigenen Umgang mit Zeit besser zu verstehen und daraus passende Strategien zu entwickeln.
Ich möchte dazu beitragen, dass wir uns im Zeitmanagement vom Gießkannenprinzip lösen. Denn Menschen ticken unterschiedlich. Was den einen produktiver macht, kann für die andere zusätzlichen Stress erzeugen. Gutes Zeitmanagement soll uns dabei unterstützen, effektiver und effizienter zu arbeiten, leistungsfähig zu bleiben und unsere Ziele zu erreichen. Gleichzeitig soll es Raum schaffen für Gesundheit, Zufriedenheit und die Dinge, die unserem Leben Wert geben. Dafür brauchen wir nicht für jeden Menschen eine völlig andere Methode. Oft braucht dieselbe Methode nur eine andere Ausgestaltung, damit sie zur Person, zur Situation und zum Umfeld passt. Die Grundlage dafür ist, den eigenen Umgang mit Zeit besser zu verstehen, die eigenen Stärken zu erkennen und zu wissen, wo die persönlichen Stolpersteine liegen. Genau dazu möchte ich mit meiner wissenschaftlichen Perspektive beitragen: individuelle Unterschiede rund um Zeit besser zu verstehen und ihre Bedeutung für ein individuelles Zeitmanagement sichtbar zu machen.
— Dr. Anjana Ahnfeldt
Zeit ist mein Herzensthema. Beruflich und ganz persönlich. Mit dem Begriff Zeitmanagement hadere ich dabei manchmal sogar. Denn Management klingt für mich schnell danach, innerhalb gegebener Rahmenbedingungen möglichst gut zu organisieren. Mich interessiert aber auch die Frage davor: Wie können wir unseren Gestaltungsrahmen erweitern und unsere Zeit so einsetzen, dass das, was uns wichtig ist, im eigenen Leben tatsächlich stattfindet?
Wenn wir das größte Zeitfenster betrachten, sprechen wir deshalb irgendwann nicht mehr nur über Zeitmanagement. Wir sprechen über Lebensgestaltung.
Für mich persönlich bedeutet das vor allem Familie. Ich lebe mit meiner Familie und unseren zwei Kindern in Hamburg. Familie gehört zu meinen wichtigsten Lebensmotiven und ist eines meiner wichtigsten Zeitinvests. Ich liebe es, wenn die Sonne durchs Fenster scheint, die Kinder im Garten spielen und ich Zeit habe, etwas richtig Gutes zu kochen. Am liebsten vegan. Gleichzeitig liebe ich meine Arbeit und habe viele Ideen für das, was ich noch bewegen möchte.
Genau dieses Nebeneinander macht die Frage nach Zeit für mich so relevant: Es geht nicht darum, jede Minute maximal zu nutzen. Sondern bewusst zu gestalten, wofür ich meine Zeit einsetzen möchte.